Die Initiative

WEICHENSTELLUNG ist ein Mentoring-Programm, das motivierte Schülerinnen und Schüler auf ihrem Bildungs- und Lebensweg begleitet und sie dabei unterstützt, schulische Übergänge gut zu meistern. Denn diese Übergänge sind Weichenstellungen, die über den Bildungserfolg jedes einzelnen Kindes und Jugendlichen, über den späteren Weg in Studium, Ausbildung und Beruf sowie über gesellschaftliche Teilhabe entscheiden. Das Konzept von WEICHENSTELLUNG hat die ZEIT-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Erziehungswissenschaftler Prof. Reiner Lehberger (Universität Hamburg) entwickelt.

Das für die Schülerinnen und Schüler kostenlose Programm WEICHENSTELLUNG stärkt gezielt und individuell Kinder und Jugendliche, die aus vielfältigen Gründen auf ihrem Bildungsweg wenig Unterstützung und Anregung erfahren. Lehramtsstudierende begleiten sie als Mentoren im schulischen Übergang und auch während der Ausbildung sowie bei gemeinsamen Ausflügen und kulturellen Aktivitäten. Davon profitieren nicht nur die Kinder und Jugendlichen. Auch die Mentoren lernen für ihren zukünftigen Beruf und werden zudem sensibilisiert für die Herausforderungen der dualen Ausbildung und des Übergangs in den Arbeitsmarkt.

Junge Menschen zu stärken steht im Zentrum der Bildungsaktivitäten der ZEIT-Stiftung. Mit WEICHENSTELLUNG leistet sie einen Beitrag zu chancengerechter Bildung sowie zu Integration und Teilhabe.

WEICHENSTELLUNG wächst und zieht Kreise. Dank starker Kooperationspartner ist die Initiative inzwischen neben dem initialen Ursprungsort Hamburg auch in Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen vertreten. Insgesamt hat WEICHENSTELLUNG in allen seinen Projektbausteinen mittlerweile 1.855 Mentees durch 660 Mentoren an 167 Partnerschulen begleitet. Derzeit unterstützen 330 Mentoren deutschlandweit rund 1.000 Mentees.

Mehr Informationen, zum Beispiel zu den einzelnen Bausteinen oder wissenschaftlichen Beiträgen über WEICHENSTELLUNG, hält das Infocenter bereit.

Das Ziel von WEICHENSTELLUNG

Bei WEICHENSTELLUNG geht es um die fachliche Unterstützung und gleichzeitige Stärkung der persönlichen Entwicklung von Schülerinnen und Schülern (im Projekt Mentees genannt), die aus vielfältigen Gründen Unterstützung benötigen.

Das Ziel von WEICHENSTELLUNG ist Chancengerechtigkeit im Übergang

  • von der Grundschule auf die weiterführende Schule,
  • von der Internationalen Vorbereitungsklasse bzw. Willkommensklasse in die Regelklasse und
  • von der Schule in Ausbildung und Beruf.

Durch die gezielte Förderung und individuelle Begleitung der jungen Menschen will WEICHENSTELLUNG einen erfolgreichen Bildungsübergang ermöglichen – unabhängig von Herkunft und sozialem Hintergrund.

Die Bausteine von WEICHENSTELLUNG

Bei WEICHENSTELLUNG für Viertklässler werden die Weichen für Viertklässler – mit Potenzial, aber geringen familiären Ressourcen – im Übergang von der Grundschule auf das Gymnasium bzw. eine andere weiterführende Schule mit der Perspektive auf einen höheren Bildungsabschluss gestellt. Die ausgewählten Schülerinnen und Schüler erfahren intensive und individuelle Förderung durch Lehramtsstudierende über einen Zeitraum von drei Jahren – von der vierten bis zur sechsten Klasse. Neben der fachlichen Förderung nehmen die Mentees mit ihren Mentorinnen und Mentoren regelmäßig an Ausflügen und kulturellen Aktivitäten teil.

WEICHENSTELLUNG für Zuwandererkinder und -jugendliche unterstützt Kinder und Jugendliche, die schulisch in Deutschland neu beginnen, auf ihrem individuellen Weg. Lehramtsstudierende, aber auch Studierende anderer Fachrichtungen, übernehmen das Mentoring für diese jungen Menschen, begleiten sie im schulischen Geschehen und erschließen mit ihnen die zunächst fremde Stadt und Kultur. Bis zu zwei Jahre werden die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 5/6 und 7/8 im Übergang von der Vorbereitungsklasse – in Hamburg Internationale Vorbereitungsklasse genannt – in die Regelklasse unterstützt.

Mit WEICHENSTELLUNG für Ausbildung und Beruf begleiten die Mentorinnen und Mentoren Jugendliche – mit und ohne (Neu-)Zuwanderungsgeschichte – in den Jahrgangsstufen 9 und 10 der Stadtteilschulen (in Hamburg) bei der Erreichung ihres Schulabschlusses, mit dem Ziel der Anschlussfähigkeit in die Ausbildung bzw. in einen weiteren Bildungsgang. In Bayern begleiten Lehramtsstudierende junge Auszubildende mit (Neu-)Zuwanderungsgeschichte in der anspruchsvollen Phase der Berufsausbildung.

So funktioniert WEICHENSTELLUNG

Das bietet WEICHENSTELLUNG

  • Mentoring und Coaching
  • Sprachförderung
  • (über)fachliche Förderung
  • Vermittlung ausbildungsrelevanter Kompetenzen
  • Persönlichkeitsstärkung
  • ein kulturelles Begleitprogramm
  • Vermittlung von Werten und gesellschaftlicher Teilhabe (u. a. durch das Kulturprogramm)

Das bedeutet WEICHENSTELLUNG

Individuelle Förderung
Lehramtsstudierende begleiten als Mentorinnen und Mentoren je eine Kleingruppe von drei Mentees und bieten (über)fachliche Unterstützung und Begleitung beim Kulturprogramm an:
  • Fachliche Kompetenzen: Die Mentees erhalten wöchentlich bis zu vier Stunden fachliche Unterstützung – also in den Kernfächern Deutsch, Mathe und Englisch – im Unterricht und auch außerhalb des Klassenzimmers.
  • Überfachliche Kompetenzen: Um sich das fachliche Wissen besser anzueignen und gesellschaftliche Teilhabe insgesamt zu ermöglichen, stärken die Mentorinnen und Mentoren die Schülerinnen und Schüler auch in ihren überfachlichen Fähigkeiten: in ihrem Arbeitsverhalten und dem Erwerb von angemessenen Lernstrategien (Methodenkompetenzen), in ihrer Selbstwirksamkeit, ihrer Ausdauer und ihrer Lern- und Leistungsbereitschaft (Personalkompetenzen) sowie in ihrer Kooperations-, Team- und Kommunikationsfähigkeit (Sozialkompetenzen).
  • Kulturelle Teilhabe: Neben der Unterstützung in der Schule bzw. Ausbildung gehört zu WEICHENSTELLUNG auch ein kulturelles Begleitprogramm, an dem Mentorinnen und Mentoren mit ihren Mentees gemeinsam teilnehmen. Es soll die Persönlichkeit der Mentees stärken und ihr Interesse für Kultur wecken. Sie lernen ihre Stadt besser kennen und sehen zentrale Orte der Stadt sowie die Chancen und Erlebnisse, die sie bieten. In der Regel dauert das Kulturprogramm vier Stunden und findet meist am Wochenende statt.
Gezielte Auswahl der Mentorinnen und Mentoren sowie der Mentees
Die Studierenden bewerben sich um die Teilnahme bei WEICHENSTELLUNG und starten nach einem erfolgreichen Auswahlgespräch als Mentorinnen und Mentoren. Für ihr Engagement erhalten sie eine Aufwandsentschädigung und Leistungspunkte für den Praxisanteil des Lehramtsstudiums (optional). Die Empfehlung der Schülerinnen und Schüler für die Aufnahme in das Programm als Mentees erfolgt nach ausgewählten Kriterien durch die Klassenleitungen der WEICHENSTELLUNG-Partnerschulen. Sobald diese und ihre Eltern der Teilnahme zugestimmt haben, werden sie offiziell in WEICHENSTELLUNG aufgenommen.

Erfolgreiches „Matching“
Das „Matching“, also die Zusammenstellung der Kleingruppen aus Mentorin/Mentor und Mentees, erfolgt durch die Klassenleitungen der Partnerschulen. Sie achtet dabei darauf, dass die Mentees auch als Mentoring-Team gut zusammenpassen – und verändern die Zusammensetzung bei Bedarf.

„Doppeltes Lernen“
WEICHENSTELLUNG stärkt sowohl die Kinder und Jugendlichen als auch die Studierenden. Denn diese profitieren durch die Praxiserfahrungen im pädagogischen Alltag und durch die intensive Arbeit mit ihren Mentees. WEICHENSTELLUNG unterstützt zudem die Eltern bei der Förderung ihrer Kinder und ermöglicht es den Schulen, stärker auf die unterschiedlichen Begabungen der Kinder eingehen zu können.

Qualifizieren der Mentorinnen und Mentoren
WEICHENSTELLUNG setzt auf eine professionelle und kontinuierliche Begleitung der Studierenden, um die pädagogisch angemessene Unterstützung der Mentees zu gewährleisten. Die enge Verzahnung mit der universitären Ausbildung und den Partnerschulen ermöglicht es den WEICHENSTELLUNG-Mentorinnen und -Mentoren Praxiserfahrungen für das Studium im Schulalltag zu sammeln. Dies geschieht durch die enge Zusammenarbeit mit ausgewählten Professoren der Erziehungswissenschaft bzw. den Zentren für Lehrerbildung an Universitäten – und der (teilweisen) Implementierung des Mentoring-Programms in die Lehre. So rechnet beispielsweise die Universität zu Köln das Engagement in WEICHENSTELLUNG mit Leistungspunkten (Credit Points) an und die Universität Hamburg erkennt es als Praktikum (Integriertes Schulpraktikum – ISP) an.

Gute Zusammenarbeit

WEICHENSTELLUNG ist erfolgreich, weil alle Beteiligten eng zusammenarbeiten und an einem Strang ziehen, das gemeinsame Ziel von chancengerechter Bildung fest im Blick.

Das Zusammenspiel aller Beteiligten bei WEICHENSTELLUNG



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Schirmherrschaft

Die Kinder- und Jugendbuchautorin Kirsten Boie hat seit 2013 die Schirmherrschaft für WEICHENSTELLUNG.

Gesamtkoordination:
Dr. Tatiana Matthiesen
Bereichsleiterin Bildung und Erziehung
ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd
Bucerius, Hamburg
E-Mail: matthiesen@zeit-stiftung.de