FAU Erlangen-Nürnberg

Erste Evaluationsergebnisse zeigen: Mentoring wirkt


In Nürnberg startet der zweite Jahrgang von WEICHENSTELLUNG für Ausbildung und Beruf. Eine erste Zwischenauswertung der wissenschaftlichen Evaluation zeigt das Potenzial des Mentoring-Programms in allen Förderdimensionen.
„Das Projekt setzt gezielt an den Bedürfnissen neuzugewanderter Auszubildender an und kann so dabei helfen, Ausbildungsabbrüche zu vermeiden. Ein klarer Erfolg für WEICHENSTELLUNG und Ansporn für den zweiten Jahrgang“, so Dr. Tatiana Matthiesen, Gesamtkoordinatorin des Mentoring-Programms WEICHENSTELLUNG der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius.

Am Donnerstag, 24. Oktober, startet WEICHENSTELLUNG für Ausbildung und Beruf in Nürnberg in das zweite Jahr. Das Projekt realisiert die ZEIT-Stiftung in Bayern gemeinsam mit dem Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Rund 60 Gäste, darunter neue Mentorinnen und Mentoren – Studierende der Wirtschafts- und Berufspädagogik – sowie ihre Mentees – junge Auszubildenden mit Fluchterfahrung – nehmen an der Auftaktveranstaltung im Bildungshauses „St. Paul“ teil. Von Seiten des Bayerisches Staatsministeriums für Unterricht und Kultus begrüßt Staatssekretärin Anna Stolz die Teilnehmer des Projekts und betont dessen Bedeutung für die Integration neuzugewanderter junger Menschen. Erste Ergebnisse der Projektevaluation, durchgeführt vom Projektkoordinator Florian Kirchhöfer, FAU Erlangen-Nürnberg, zeigen, dass vom Mentoring alle Beteiligten profitieren: die geförderten Geflüchteten, die Studierenden und die Ausbildungsbetriebe.

Positive Auswirkung des Mentorings auf Abbruchquoten

Die Mentees bestätigen, dass sie durch das Mentoring Inhalte in der Berufsschule oder in dem Ausbildungsbetrieb, aber auch die Kultur in Deutschland besser verstehen. Für fast alle Mentees (94 %) sind ihre Mentorinnen und Mentoren wichtige Ansprechpartner bei Herausforderungen in Schule und Betrieb, für viele (61 %) auch bei privaten Themen. Dies scheint eine positive Auswirkung auf die Abbruchquote von neuzugewanderten Jugendlichen während der dualen Ausbildung zu haben, die in dieser Gruppe häufig höher sind als bei den Auszubildenden insgesamt. „Grundsätzlich stehen Geflüchtete im Betrieb und in der Berufsschule vor ähnlichen Herausforderungen wie die anderen Azubis auch, wie zum Beispiel fachliche Schwierigkeiten oder Probleme mit dem Chef“, erläutert Prof. Dr. Karl Wilbers, pädagogische Leitung des Projekts in Nürnberg. „Sie brechen die Ausbildung nicht häufiger ab, weil sie aus anderen Kulturen kommen, sondern weil sie aufgrund der Flucht Bedingungen ausgesetzt sind, die Abbrüche scheinbar begünstigen.“

Dazu gehören beispielsweise ein fehlendes soziales Netz, hoher emotionaler Stress, Kommunikationshürden im Betrieb sowie schwierige private Situationen. Das Mentoring bei WEICHENSTELLUNG begegnet diesen besonderen Bedürfnissen durch die Kombination fachlicher Förderung und persönlicher Begleitung auf Augenhöhe. Es verschafft den geflüchteten Auszubildenden die nötige Unterstützung, vor allem im privaten und gesellschaftlichen Raum, um die Ausbildung erfolgreich zu bewältigen. „Die Mentorinnen und Mentoren unterstützen uns bei der Integration und Förderung unserer neuzugewanderten Auszubildenden, indem sie Ansprechpartner für die überfachlichen und privaten Themen sind. Und wenn es privat funktioniert, dann funktioniert auch die Ausbildung“, so Alexander Schweiger von der DIEHL Ausbildungs- und Qualifizierungs-GmBH. „Wir sind froh, Teil des Projekts WEICHENSTELLUNG zu sein.“

Ein Beispiel zeigt, wie Mentoring in kritischen Momenten unterstützen kann: „Ich bin jetzt seit fast einem Jahr bei WEICHENSTELLUNG tätig und haben in dieser Zeit eine gute Vertrauensbasis zu meinem Mentee aufbauen können“, erzählt eine Mentorin. „Vor einer Weile erreichten wir einen kleinen Tiefpunkt, da mein Mentee seine Ausbildung beenden wollte. Durch lange und ehrliche Gespräche, die ihm die zukünftige Realität ohne Ausbildungsplatz verdeutlichen konnten, haben wir es gemeinsam geschafft, dass er wieder Spaß an seinem Job gefunden hat und seine Ausbildung weiterführt. Ich bin sehr stolz, dass wir gemeinsam einen Weg finden konnten.“

WEICHENSTELLUNG als Baustein für eine gelingende Integration

„Die Förderung neuzugewanderter Jugendlicher ist uns ein wichtiges Anliegen“, erklärt Staatssekretärin Anna Stolz. „Der erfolgreiche Abschluss der Ausbildung und damit der gelungene Start ins Berufsleben sind zentrale Faktoren für die Integration junger Menschen mit Zuwanderungsgeschichte in den Arbeitsmarkt. Der Mentoring-Ansatz von WEICHENSTELLUNG stellt eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten dar und die ersten Evaluationsergebnisse bestärken uns nun darin, dass wir damit auf dem richtigen Weg sind.“ Dr. Tatiana Matthiesen, Gesamtkoordinatorin von WEICHENSTELLUNG und Bereichsleiterin Bildung und Erziehung der ZEIT-Stiftung, ergänzt: „Das erste Jahr WEICHENSTELLUNG für Ausbildung und Beruf in Bayern zeigt, das Mentoring wirkt – und zwar sowohl in der Schule, als auch im Betrieb. Wir freuen uns, das Projekt dank unserer Partner und Förderer fortführen und mehr jungen Menschen den Weg zu chancengerechter Bildung ebnen zu können.“

Über WEICHENSTELLUNG für Ausbildung und Beruf in Bayern

WEICHENSTELLUNG für Ausbildung und Beruf in Bayern, ein gemeinsames Projekt der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius, des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus sowie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, unterstützt neuzugewanderte Auszubildende dabei, die ersten beiden Ausbildungsjahre erfolgreich zu meistern und ihr Potenzial für eine Integration in den deutschen Arbeitsmarkt zu entfalten. Studierende der Wirtschaftspädagogik und anderer Lehrämter fördern die jungen Menschen individuell entsprechend ihrer Begabungen, unterstützten sie auf ihrem Lern- und Bildungsweg und bieten ihnen kulturelle und lebensweltliche Begleitung. Mehr Informationen zu WEICHENSTELLUNG für Ausbildung und Beruf in Bayern: www.weichenstellung-nuernberg.fau.de/

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